Das Bild zeigt Dr. Uta Meeder, Gründerin des nachhaltigen Designlabels MAOMI, die dieses Mal unseren exklusiven Designer-Fragebogen ausgefüllt hat.

Vor einigen Jahren rief Designerin Dr. Uta Meeder in Mannheim das nachhaltige Designlabel MAOMI ins Leben. Anfangs ein Studio für Renovierung und Interior-Beratung, entwickelte sich MAOMI rasch zu einer erfolgreichen Marke mit preisgekrönten Designartikeln aus dem Spektrum der Möbel und Wohn-Accessoires.

Bereits zu Schulzeiten war Uta besonders an Kunst, Fotografie und Grafik interessiert. Nach ihrem Abschluss probierte sie sich in einigen Kreativbereichen aus, absolvierte zum Beispiel ein Praktikum bei einer namenhaften Werbeagentur oder arbeitete im Studio eines Modefotografen.

Ihre andere Passion – die für Mathematik – führte jedoch schließlich dazu, dass sie nicht etwa Design studierte, sondern Betriebswirtschaftslehre. Ihr Herz blieb aber der Welt des Designs treu und so kehrte sie in ihrer Arbeit zum kreativen Schaffen zurück.

Uta stellte fest, dass die Tatsache, nicht Design studiert zu haben, ihr eine große Freiheit gibt. Beim Kreieren neuer Artikel folgte sie keinen Vorgaben, denn sie kannte keine. Das machte sie unabhängig – über den gesamten Designprozess hinweg. Learning by Doing, regelfreies Arbeiten und viel Experimentieren machten Utas Designs zu dem, was sie heute sind.

Wie definieren Sie gutes beziehungsweise schlechtes Design?

Für mich muss gutes Design vor allem nachhaltig sein. Und das in Bezug auf die Langlebigkeit des Produktes, aber auch definitiv schon vorher – bei der Produktion. Es soll also über den offensichtlich ästhetischen Aspekt hinausgehen und etwas hinterlassen, das bleibt. Deswegen ist es mir sehr wichtig, qualitativ hochwertige Produkte entstehen zu lassen, an denen sich die Menschen lange erfreuen können.

Bei der Wahl unserer Partnermanufakturen in Asien spielen die dortigen Arbeitsbedingungen eine sehr große Rolle. Aspekte wie Gleichberechtigung und geregelte Arbeitszeiten sollten eine Selbstverständlichkeit sein, denn von gutem Design sollen alle profitieren können.

Was unterscheidet Ihre Entwürfe beziehungsweise Produkte von denen anderer Designer?

Meine Designs sie nie rein auf das Künstlerische beschränkt. Jedes von ihnen ist gleichzeitig sehr funktional. Die HOOKS zum Beispiel habe ich zusammen mit einem Künstler entwickelt, sie sind also quasi ein Kunstobjekt. Tatsächlich ist ihre eigentliche Funktion aber die eines Möbelstücks – nämlich die einer Garderobe. Kunst und Design sollen dabei also nutzbar gemacht werden und das alltägliche Leben ganz selbstverständlich begleiten.

Wandinstallation oder Garderobe, ästhetisches Objekt oder Gebrauchsgegenstand? Mit HOOKS muss man sich nicht entscheiden. Spielerisch verbindet der Entwurf beide Welten.

Außerdem entstehen unsere Produkte aus einer sehr engen Interaktion mit den einzelnen Werkstätten. Die Künstler, mit denen ich zusammenarbeite, sind zum Beispiel gute Freunde von mir. Dadurch bekommt das Entwerfen einen sehr persönlichen Spaßfaktor. Auch die jeweiligen Manufakturen, die für uns die finalen Produkte anfertigen, habe ich wochenlang vor Ort begleitet und die Mitarbeiter in der Kreation persönlich kennengelernt. Der Austausch passiert auf einer anderen Ebene. Ich finde, dass dieser persönliche Aspekt den Produkten eine andere Lebendigkeit verleiht.

Besondere Bedeutung hat bei all meinen Produkten die Haptik. Porzellan KAYA, Wallinstallation HOOKS, aber auch das PHONE HOME will man schon aufgrund der Form einfach anfassen. Das samtige Gefühl der matten Glasuren in der Hand ist ein Erlebnis. Bei jedem Kaffee bringt die Kombination aus Wärme, weich anmutender Glasur und der sanften Rundung Freude in den Alltag.

Wovon lassen Sie sich inspirieren?

Von der Haptik natürlicher Materialien, der Energie, die ein Kunstwerk verströmt, aber auch von der Anmut althergebrachter Handwerkskunst. Unsere Badewanne OFURO ist zum Beispiel nicht nur durch die japanische Badekultur sowie den traditionellen Weinfassbau inspiriert, sondern wird tatsächlich auch von einem Fassbinder im Süden Deutschlands hergestellt.

Als Inspiration für die Glasur unseres Steinguts ELEPHANT FEET diente die charakteristisch grüne Seladon-Glasurtechnik des alten China, die auf dem Brennen kupfer- und eisenhaltiger Glasuren beruht.

Für mich ist es das harmonische Zusammenspiel der Natürlichkeit der Materialien, der handwerklichen Raffinesse und der Spiritualität hinter den traditionellen Techniken, das im vollendeten Design resultiert.

Nomen est omen: OFURO lädt ein zum privaten Bad. Das genau ist die Bedeutung des aus dem Japanischen stammenden Namens dieser Zedernholz-Badewanne.

Welchen Aspekt Ihrer Arbeit schätzen Sie am meisten?

Für mich ist es besonders wichtig, dass die Produkte, die wir entwerfen und herstellen, eine positive Wirkung auf die Menschen haben. Es geht nicht nur um die Ästhetik oder Funktionalität des Designs, sondern auch darum, dass unsere Produkte Inspiration und Zufriedenheit in den Alltag unserer Kunden bringen.

Sehr schön finde ich auch die Verbindung der Menschen durch unsere Produkte weltweit. Wenn ich daran denke, dass ich die meisten Formen von KAYA im ländlichen Teil von Vietnam in einer sehr ursprünglichen Werkstatt mit Taubenschlag und Luftkühlung gemeinsam in engem Austausch mit einem Töpfer entwickelt habe, der kein Wort Englisch sprach, dafür aber ein großartiges Designverständnis besaß, und dieses Porzellan nun in Sternerestaurants und Jachten auf allen Kontinenten zu finden ist, macht mich das glücklich.

Mit welchen Materialien arbeiten Sie am liebsten?

Ich arbeite gerne mit natürlichen Materialien wie Holz, Keramik und Porzellan. Für mich ist es wichtig, dass die Materialien langlebig und nachhaltig sind und eine gewisse Natürlichkeit ausstrahlen. Ich achte auch darauf, Materialien aus der Region zu beziehen, in der sie weiterverarbeitet werden, und darauf, die Zusammenarbeit mit lokalen Handwerkern zu fördern.

Nomen est omen: OFURO lädt ein zum privaten Bad. Das genau ist auch die Bedeutung des aus dem Japanischen stammenden Namens der Zedernholz-Badewanne.

Welcher Ihrer Entwürfe ist Ihr Favorit und warum?

Das ist eine schwierige Frage, da jeder Entwurf eine eigene Geschichte hat und mir auf seine Art und Weise am Herzen liegt. Aber wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich wohl die HOOKS oder KAYA wählen, da sie nicht nur ein Kunstobjekt sind, sondern auch eine praktische Funktion erfüllen und somit perfekt meine Philosophie des Kombinierens von Kunst und Produktdesign verkörpern.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für Ihr Design?

Nachhaltigkeit ist eines unserer Hauptanliegen bei MAOMI. Wir achten darauf, dass unsere Produkte aus nachhaltigen Materialien hergestellt werden und langlebig sind. Wir verwenden zum Beispiel Holz von Bäumen, die keine Früchte mehr tragen können, recyceltes Plastik und Keramik, damit wir die Umwelt so wenig wie möglich belasten.

Wir achten auch darauf, dass unsere Partnermanufakturen in Asien ihren Angestellten gute Arbeitsbedingungen bieten und diese fair bezahlen. Wir möchten sicherstellen, dass alle Beteiligten in unserem Produktionsprozess gerecht behandelt werden und dass unser Design einen positiven Beitrag zur Umwelt und Gesellschaft leistet.

Durch unser Design stellen wir außerdem sicher, dass unsere Produkte eine sehr lange Nutzungsdauer erfahren und nicht aus der Mode kommen. Nachhaltigkeit ist also ein wichtiger Aspekt unseres Designs und ein integraler Bestandteil unserer Philosophie.

Wenn Sie sich nicht mit Design beschäftigen würden, wären Sie …

Vermutlich Mathematiklehrerin oder, wenn es Design nicht zu nahe kommt, auch Lehrerin für Kunst.

Steingut-Service ELEPHANT FEET.

Gibt es ein Zukunftsprojekt, über das Sie sprechen können?

Wir arbeiten gerade an einer neuen Kollektion, die unser Sortiment an Tafelgeschirr und -zubehör ausdehnt. Einerseits kommt eine neue Produktlinie auf den Markt, andererseits entwickeln wir uns auch in unserem Einsatzbereich weiter. Da wir nun vermehrt mit Hotellerie und Restaurants zusammenarbeiten, passen wir die Produktionsweise an, um den Nutzungsansprüchen dieser Branchen durch Robustheit und Nachhaltigkeit noch stärker gerecht zu werden. Mehr kann ich leider noch nicht verraten, aber ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis!

Weitere Informationen:
MAOMI – Raum und Gestaltung
www.maomi.de

 
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