1952 lanciert, stand die Ray-Ban Wayfarer schnell für Coolness und Unangepasstheit. Unsere Reihe Design für die Ewigkeit wäre unvollständig ohne sie. Foto: © Luxottica

Die Ray-Ban Wayfarer ist die Sonnenbrille schlechthin. Vor sieben Jahrzehnten erblickte sie das Licht der Welt. Seither ist sie keinen Tag gealtert. Früh machten Legenden wie Buddy Holly und James Dean das trapezförmige Modell zum Symbol für Coolness und auch Unangepasstheit. Unsere Serie Design für die Ewigkeit könnte ohne die Wayfarer niemals vollständig sein.

Wie weit sich die Sonnenbrille vom Gebrauchsobjekt entfernt und zum individuellen Ausdrucksmittel entwickelt hat, erkennt man, sobald es an angesagten Orten auf der Welt Abend wird. Der Schutz des eigenen Images tritt dann vollends an die Stelle der Abschirmung gegenüber der Sonne. Mit keinem anderen – allgemein akzeptierten – Accessoire lässt sich die eigene Persönlichkeit gezielter unterstreichen beziehungsweise verbergen. Steigern ließe sich der paradoxe Effekt höchstens durch das Tragen von Masken. Wie aber sähe das außerhalb von Pandemien oder der Karnevalszeit aus …


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Der besonders mit dem mittelalterlichen Venedig in Verbindung gebrachte Brauch führt uns interessanterweise zu wichtigen Ursprüngen der Sonnenbrille am selben Ort. Voraussetzung war zunächst einmal die Brille selbst, erfunden irgendwo in Italien vor über siebenhundert Jahren, wofür es verschiedene Theorien gibt. Murano jedenfalls war schon um 1300 für die Herstellung von Brillen bekannt. Während aus der Antike erste amateurhafte Versuche überliefert sind, die Augen vor grellem Licht zu schützen, ist es das Blendlicht in den Kanälen der Lagunenstadt, das den Vorläufern moderner Sonnenbrillen im 18. Jahrhundert zum Durchbruch verhilft.


 
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Die Ray-Ban Wayfarer war ihrer Zeit voraus

Bis zur Ray-Ban Wayfarer ist es von hier ein weiter Weg; nicht nur im Hinblick auf die Brillengläser. Denn als Raymond Stegeman, ein Designer des US-Unternehmens für optische Produkte namens Bausch & Lomb, 1952 eine synthetische Alternative zu den vorherrschenden Metallrahmen erschafft, setzt er sowohl mit dem Zukunftsmaterial als auch durch das Herstellungsverfahren des Spritzgießens neue Maßstäbe.

Wie futuristisch und provokant die Ray-Ban Wayfarer seinerzeit anmutete, ist aus heutiger Sicht kaum mehr nachvollziehbar. Wenig anders sieht es aus bei den Heckflossen damaliger Automobile. Dass Stegeman durch die Formensprache des goldenen Zeitalters des US-amerikanischen Fahrzeugdesigns beeinflusst wurde, lässt sich an der speziellen Trapezform der Wayfarer deutlich ablesen.

Coca-Cola in Brillenform

Der Rest ist Geschichte, könnte man sagen. Schnell entdeckten Hollywoodstars und andere Prominente die Wayfarer für sich – und trugen sie publikumswirksam in Filmen und in der Öffentlichkeit. Allen voran James Dean, dessen nonkonformistisches Image sich auf die Ray-Ban Wayfarer übertrug. Demgegenüber bewies der Schwiegermutter-tauglichere Roy Orbison, dass das Modell nicht bloß schwarzen Schafen stand, sondern sich für die gesamte Familie eignete. Coca-Cola in Brillenform. Ein ewig junges, stets aktuelles Produkt, das als Projektionsfläche für Träume und Sehnsüchte fungiert – und als Zeichen für Zugehörigkeit sowie paradoxerweise für Individualität.

Dass die Ray-Ban Wayfarer trotz schwankender Popularität nie aus dem Rampenlicht verschwand, liegt neben smartem Product-Placement (man denke etwa an die Kultserie Miami Vice) daran, dass um das klassische Modell herum nach und nach eine vielfältige Kollektion entstand. Sie umfasst jenseits von Sonnenbrillen Korrektionsbrillen sowie die unserer Auffassung nach bemerkenswerte New Wayfarer. Diese schirmt dank entsprechender Wölbung das Gesicht noch besser ab.

Vom Sonnenschutz zum digitalen Assistenten

Nicht unter den Tisch fallen soll der zwischenzeitliche Wechsel vom schwereren ursprünglichen Azetat zu leichteren Kunststoffen. Hinsichtlich des Tragekomforts machen bei Brillen wenige Gramm einen großen Unterschied. Und wo das Wort „smart“ bereits fiel: Die 1999 an die italienische Luxottica-Gruppe (inzwischen Teil von EssilorLuxottica S.A.) verkaufte Marke schickt sich zusammen mit dem Facebook-Mutterkonzern Meta an, mithilfe von Ray-Ban-Smartglasses die Tür ins Metaversum (Metaverse) als eine Mischung aus Internet und Realität aufzustoßen.

Schließt sich hier etwa ein Kreis? Die Geschichte von Ray-Ban („Strahlenschutz“) begann, als 1929 für US-Piloten ein Schutz vor dem in den immer größeren erreichten Flughöhen oft unerträglich stark blendenden Sonnenlicht  gesucht wurde. Wird die vernetzte Brille womöglich bald zum unverzichtbaren Autopiloten für den Alltag oder bewahren wir uns die Fähigkeit, ohne einen digitalen Souffleur zurechtzukommen?

Weitere Informationen:
Luxottica Group S.p.A.
www.ray-ban.com

Bildhinweis:
Für unser Titelbild gilt: © Luxottica

 
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