Karl Lagerfeld bezeichnete sich als besten Kunden seines Papierkorbs, den er außerdem sein wichtigstes Möbelstück nannte. Bei aller Inspiration erfordert kreatives Tun – Design eingeschlossen – nämlich vor allem Übung, Disziplin und Ausdauer.

Gedanken zu gutem Design

 

Ausgerechnet im Jahr des großen Bauhaus-Jubiläums verliert Deutschland und die Welt mit Karl Lagerfeld einen der kreativsten und produktivsten Gestalter. Neben einer fast übermenschlichen Vielzahl spektakulär inszenierter Kollektionen produzierte er auch Unmengen von Bonmots. So bezeichnete er sich als besten Kunden seines Papierkorbs, den er außerdem sein wichtigstes Möbelstück nannte.

Zuverlässige Formel

Das weckt Erinnerungen an einen Namensvetter Lagerfelds beziehungsweise an ein berühmtes, fälschlich Karl Valentin zugeschriebenes Zitat, wonach Kunst schön sei, aber viel Arbeit mache. Arbeit, deren unausgegorene Früchte allerdings eher oft als selten im Papierkorb landen, statt in den Sammlungen der Museen. Bei aller Inspiration erfordert kreatives Tun nämlich vor allem Übung, Disziplin und Ausdauer. So gesehen stimmt, was John Keats einmal behauptet hat. Der Dichter, so heißt es in einem seiner hinterlassenen Briefe, sei das unpoetischste unter allen Geschöpfen Gottes.

Gibt es, wenn schöpferisch Tätigen entgegen dem Geniekult früherer Zeiten die fertigen Lösungen nicht frei von Anstrengung zufallen wollen, wenigstens eine zuverlässige Formel für gute Gestaltung? Eine, nach der sich zu allen Zeiten ein gelungenes Objekt entwerfen ließe? Oder ist die Idee per se absurd, da zeitloses Design im strengen Sinne gar nicht existieren kann, weil technologische, werkstoffliche, ja gestalterische Möglichkeiten einerseits sowie andererseits der Kontext, in dem Objekte ihre Funktion erfüllen müssen, sich laufend und immer schneller wandeln?

Design frei nach Heidegger

Viel wird seit Jahrzehnten darüber gesprochen, dass die Form der Funktion folgen müsse – und darüber, dass alles am besten intuitiv erfassbar Aufschluss über Funktion, Nutzen und Bedienbarkeit geben solle. Zuhandenheit im Heideggerschen Sinne könnte insofern als Ideal begriffen werden, nach dem sich Design zu richten und Designer zu streben haben.

Werden die Dinge gewissermaßen als reine Werkzeuge im zweckentsprechenden Zusammenhang gedacht und geleitet von Ideen wie Minimalismus und Purismus konzipiert und entworfen, ließen sie sich theoretisch unauffällig, ohne Reflexion auskommend nutzen. Bis zu dem Moment der Vorhandenheit, wenn ein Ding aufgrund einer Störung – beispielsweise eine notwendige Wartung oder Reparatur – überhaupt erst wieder in unser Bewusstsein rückt …

Der Mensch im Mittelpunkt

Egal wie verheißend – würde man sämtliche Bemühungen um gutes Design allein auf diesen Aspekt verengen, blieben ganze gestalterische Dimensionen mit all ihrem Potenzial unberücksichtigt und ursprüngliche Qualitäten und Bedürfnisse des Menschen, der doch schließlich stets im Mittelpunkt stehen soll, unerfüllt: emotionaler Anspruch, sinnlich-dinglicher Genuss und spielerische Faszination zum Beispiel. Der Mensch ist eben weit mehr als Homo faber oder Animal laborans.

Kommt jedoch all das Vorgenannte im Design sinnstiftend zusammen, darf man wohl mit Recht von Magie sprechen.

 

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