Ein Museum für Carrara-Marmor am Ort seiner Gewinnung zu schaffen, ist die mit dem Förderpreis der Stiftung Deutscher Architekten ausgezeichnete Idee von Nachwuchsarchitektin Susanne Hugenberg. Bildhinweis: © Susanne Hugeneberg

Ungeheurer Druck war erforderlich, um die ursprünglichen Calcit-Ablagerungen von Meeresorganismen in das weiße Gold von Carrara zu verwandeln. Gleichzeitig mit dem von Michelangelo Buonarroti berühmt gemachten Carrara-Marmor formte die Kontinentaldrift die Apuanischen Alpen. Ihr westlicher Teil weist eines der weltweit größten Marmorvorkommen auf. Bis heute prägt der Abbau des begehrten Rohstoffs die Gegend. Nähert man sich der toskanischen Stadt Carrara über die Küstenautobahn, stechen einem die strahlend hellen Steinbrüche unübersehbar ins Auge. Von ihnen existieren Hunderte. Doch im Gegensatz zur industriellen Dimension ist hier wenig von der kulturellen, bau- und kunstgeschichtlichen Bedeutung zu spüren, fand die Nachwuchsarchitektin Susanne Hugenberg.

Ein Museum für Carrara-Marmor als Teil eines Steinbruchs

Um das zu ändern, machte Hugenberg mit ihrer Masterarbeit an der Münster School of Architecture (MSA) einen konkreten Vorschlag: „Es sollte ein Ort entstehen, der die Besonderheiten des Marmors an seinem Ursprungsort zeigt, sie spürbar macht und damit zu einer Wertschätzung des kostbaren Materials beiträgt.“ Ihre grundsätzliche Faszination für Carrara-Marmor und eine Reise durch Italien bestärkten Hugenberg, sich intensiv mit dem Thema zu befassen. Das Resultat in Form ihrer Abschlussarbeit begeisterte ihren Prüfer – Prof. Manuel Thesing – so sehr, dass dieser ihn für den Förderpreis der Stiftung Deutscher Architekten vorschlug. Eine gute Idee, denn die Jury überzeugte die Arbeit „Hommage di Marmi / Cava di Marmi – Ein Kulturort inmitten der Marmorberge“ ebenfalls. Hugenberg wurde dafür mit dem Förderpreises 2023 ausgezeichnet.

Im Einzelnen beinhaltet Susanne Hugenbergs Konzept unter anderem ein Museum mit Auditorium, Ateliers und Seminarräume, ein Café sowie einen Shop. Das Besondere an ihrem Vorhaben ist die empfohlene bauliche Umsetzung. Sie setzt auf dem Abbau von Carrara-Marmor selbst auf. So könnte der Kulturort aus dem Berg freigelegt werden. „Der Marmor steht als Wand, Decken, Boden und Möbelmaterial an seinem Ursprungsort und Abbaugebiet im Vordergrund und zeigt in seiner vollen Pracht die Schönheit, Reinheit und Besonderheit des Materials“, erklärt Hugenberg. „Die einzigartige Atmosphäre soll Besucherinnen und Besucher zum Nachdenken bringen und einen Dialog zwischen Rohstoff und Baustoff sowie Architektur, Produktionsstätte und Landschaft schaffen.“


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Weitere Informationen:

FH Münster
www.fh-muenster.de

Architektenkammer Nordrhein-Westfalen (AKNW)
www.aknw.de

Bildhinweis:
© Susanne Hugeneberg

 
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